Was bekommt man bei Webhosting für unter 1,60 €?
Günstiges Webhosting ist nicht automatisch schlechtes Webhosting. Unter die Grenze von etwa 1,60 € im Monat fallen rund 850 Tarife von fast 500 Anbietern. Die billigsten kosten um die 0,35 €, der Median liegt bei rund 1 €. Für dieses Geld verkauft der Anbieter aber ein sehr klar umrissenes Paket an Ressourcen – und Sie sollten vorher wissen, was enthalten ist und was Sie dazukaufen müssen.
Was Budget-Tarife tatsächlich bieten
Der Median beim Speicherplatz liegt in dieser Auswahl bei 3 GB, gegenüber 20 GB im gesamten Katalog. Die günstigsten Tarife bieten sogar nur 250–500 MB. Meist ist eine Website erlaubt, seltener zwei, drei oder fünf. NVMe-Speicher hat etwa ein Drittel der Tarife, unbegrenzten Traffic fast die Hälfte – in diesen Punkten unterscheiden sich günstige Tarife also kaum von teuren. Gespart wird an anderer Stelle:
- CPU- und RAM-Limits. Kleine Tarife haben meist den geringsten CPU-Anteil und die wenigsten gleichzeitigen PHP-Prozesse. Die Website läuft schnell, solange wenige Besucher da sind, kann zur Stoßzeit aber mit Fehler 508 oder 503 antworten.
- Anzahl der Datenbanken und Postfächer. Eine Datenbank und ein, zwei Postfächer sind das typische Paket.
- Backups. Bei Budget-Tarifen wird seltener gesichert, die Sicherungen werden kürzer aufbewahrt oder lassen sich nur gegen Gebühr wiederherstellen.
- Support. Antworten kommen eher nach Stunden als nach Minuten, und bei komplexen Fragen wird auf einen größeren Tarif verwiesen.
Versteckte Kosten
Die Jahressumme liegt fast immer über „Monatspreis × 12“. Prüfen Sie vor dem Bezahlen einige Punkte.
- Verlängerungspreis. Viele Tarife kosten nur in der ersten Laufzeit 0,35–0,65 € im Monat – und nur bei Vorauszahlung für ein Jahr oder länger. Bei der Verlängerung kann sich der Preis verdoppeln oder verdreifachen, und dann ist der „günstige“ Tarif teurer als ein durchschnittlicher.
- Domain. Eine kostenlose Inklusiv-Domain gilt meist nur im ersten Jahr, danach wird sie zum Preis des hauseigenen Registrars verlängert, der über dem Marktniveau liegen kann. Manchmal ist es günstiger, die Domain separat zu registrieren.
- SSL. Ein ordentlicher Anbieter stellt Let's-Encrypt-Zertifikate kostenlos aus. Fehlt kostenloses SSL, rechnen Sie ein kostenpflichtiges Zertifikat zum Preis dazu – oder suchen Sie gleich einen anderen Tarif.
- Backups und Wiederherstellung. Eine Wiederherstellung auf Anfrage beim Support kostet mitunter mehr als die Monatsgebühr des Tarifs.
- E-Mail-Limits. Eine Obergrenze für Mails pro Stunde kann schon den Versand von Bestellbestätigungen eines Onlineshops behindern. Externe E-Mail für die Domain ist ein zusätzlicher Kostenpunkt.
- Währung und Gebühren. Preise ausländischer Anbieter sind zum Tageskurs umgerechnet, beim Bezahlen können Mehrwertsteuer und Gebühren des Zahlungsdienstes hinzukommen.
Wann ein günstiger Tarif genügt
- Landingpage oder Aktionsseite. Statisches HTML oder ein schlanker Baukasten belasten den Server kaum, und 1 GB Speicher reicht dicke.
- Visitenkarten-Website eines Unternehmens oder Freiberuflers. Ein paar Seiten, ein Kontaktformular, einige Dutzend Besucher am Tag.
- Privater Blog. WordPress mit Caching-Plugin läuft problemlos auf einem kleinen Tarif, solange die Besucherzahlen nicht in die Tausende pro Tag gehen.
- Testumgebung oder Lernprojekt, um das es nicht schade wäre.
Wann Sie nicht sparen sollten
- Onlineshop. Warenkorb, Kundenkonto und Katalogfilter lassen sich nicht vollständig cachen, und die CPU-Limits machen sich schnell bemerkbar. Für einen Shop kommen größere Tarife oder ein VPS für Onlineshops infrage.
- Website mit bezahltem Traffic. Wenn Sie für Klicks bezahlen, kostet ein Ausfall zur Stoßzeit mehr als der Preisunterschied beim Hosting.
- Mehrere Websites. Fünf Tarife zu je 50 Cent sind meist schlechter als ein Tarif für 10 Websites – siehe die Auswahl Webhosting für 10 Websites.
- Website mit personenbezogenen Kundendaten aus der EU auf einem Server außerhalb Europas: Günstige Tarife mit Rechenzentrum in der EU gibt es reichlich, und viele DSGVO-Fragen zur Datenübermittlung in Drittländer stellen sich dann gar nicht erst.
Wo Sie günstige Tarife finden
Die meisten günstigen Tarife haben Anbieter mit Servern in den USA, Deutschland und Großbritannien, danach folgen Singapur, Russland, die Niederlande und die Türkei. Viele der billigsten Angebote in der Tabelle stammen von kleinen regionalen Firmen aus dem Iran, Bangladesch, der Türkei und anderen Ländern, die sich auf ihren Heimatmarkt konzentrieren. Das heißt nicht, dass sie schlecht sind, aber der Support spricht womöglich nur die Landessprache, und bezahlen kann man oft nur mit lokalen Methoden. Für eine Website mit Publikum im deutschsprachigen Raum ist meist ein günstiger Tarif bei einem Anbieter aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz die vernünftigere Wahl: geringere Latenz, Zahlung in Euro bzw. Franken, Vertrag und Support auf Deutsch.
Bei den Control Panels sieht es aus wie im Gesamtmarkt: cPanel führt, danach folgen Plesk, DirectAdmin und ISPmanager. Bei günstigen Tarifen beeinflusst das Panel eher den Komfort als den Funktionsumfang – nehmen Sie also das, mit dem Sie schon gearbeitet haben.
Ein praktischer Ansatz: Suchen Sie sich zwei, drei Tarife aus der Tabelle aus, prüfen Sie Verlängerungspreis und Backup-Bedingungen, und spielen Sie, wenn der Anbieter eine Testphase anbietet, zuerst eine Kopie Ihrer Website dort ein. Anbieter mit kostenlosem Test finden Sie unter Webhosting mit Testphase.