Webhosting in Deutschland: Worauf Website-Betreiber achten sollten
Deutschland ist der größte Hosting-Markt Europas. Die Rechenzentren konzentrieren sich auf Frankfurt am Main mit dem Internetknoten DE-CIX sowie auf Nürnberg, Falkenstein, Berlin und München. Deutsches Shared Hosting wählt man für Websites mit Publikum in Deutschland, Österreich und der Schweiz, für Shops, die in die ganze EU verkaufen, und für Projekte, denen eine verlässliche europäische Rechtsordnung wichtig ist.
Website für den deutschsprachigen Raum: Pflichten, die gern vergessen werden
Wenn sich Ihre Website an Besucher in Deutschland richtet, ist der Serverstandort nur ein Teil der Sache. Die deutschen Anforderungen an die Website selbst sind strenger als im europäischen Durchschnitt, und bei Verstößen verschicken Mitbewerber und Kanzleien kostenpflichtige Abmahnungen:
- Impressum. Geschäftsmäßige Websites müssen eine Anbieterkennzeichnung veröffentlichen: Name oder Firma, Anschrift, Kontaktdaten, Registerangaben. Das schreibt das Digitale-Dienste-Gesetz (DDG) vor; in Österreich gilt mit dem ECG und dem Mediengesetz eine ähnliche Pflicht.
- Datenschutzerklärung. Sie muss alle Dienste aufführen, die Daten der Besucher erhalten – den Hoster, Analyse-Tools und eingebettete Widgets.
- Cookie-Einwilligung. Tracking und Werbepixel dürfen erst nach ausdrücklicher Zustimmung laufen; ein Banner nach dem Muster „Mit der Nutzung der Website stimmen Sie zu“ reicht nicht.
- Externe Schriften und Skripte. Deutsche Gerichte haben das Nachladen von Schriften von fremden Servern ohne Einwilligung als Verstoß gewertet, weil dabei die IP-Adresse der Besucher übertragen wird. Sicherer ist es, Schriften und Bibliotheken auf dem eigenen Hosting abzulegen.
Ein Hoster in Deutschland schließt mit Ihnen einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) – ohne ihn erfüllt eine Website, die Daten von Menschen in der EU erhebt, die DSGVO formal nicht. Bei deutschen Anbietern ist der AVV meist mit wenigen Klicks im Kundenkonto erledigt. Für Betreiber in der Schweiz gilt das revidierte DSG, das die EU als gleichwertig anerkennt; ein Server in Deutschland ist auch für sie unproblematisch.
Vertrag, Kundenprüfung und Laufzeiten
Deutsche Anbieter verlangen häufiger als andere eine Bestätigung von Identität oder Adresse bei der Registrierung, und manche arbeiten mit Mindestvertragslaufzeit und Kündigungsfrist. In der Praxis heißt das: Den Tarif an einem beliebigen Tag zu kündigen und das Restguthaben zurückzubekommen, klappt nicht immer. Suchen Sie vor der Zahlung in den Bedingungen drei Punkte: die Mindestlaufzeit, wie und mit welcher Frist Sie kündigen, und was nach der Schließung des Kontos mit Ihren Daten passiert. Wenn Sie einen Anbieter erst ausprobieren, wählen Sie die monatliche Abrechnung, auch wenn sie etwas teurer ist – so kommen Sie leichter wieder heraus.
Privatkunden aus der EU zahlen die deutsche Mehrwertsteuer (MwSt.), Geschäftskunden mit USt-IdNr. aus anderen EU-Ländern erhalten meist eine Rechnung ohne Steuer. Bezahlt wird in der Regel per SEPA-Lastschrift, Überweisung, Kreditkarte oder PayPal; viele deutsche Anbieter bieten Firmenkunden auch Kauf auf Rechnung an. Für die Buchhaltung ist eine ordentliche Rechnung mit ausgewiesener Steuer wichtig – bei deutschen Hostern ist das Standard.
Geschwindigkeit und Anbindung
Frankfurt ist das geografische und netztechnische Zentrum Europas: Zu den meisten EU-Hauptstädten liegt die Antwortzeit bei 10–30 ms, innerhalb Deutschlands, nach Wien oder Zürich meist deutlich darunter. Für eine Website mit Publikum im DACH-Raum ist ein deutscher Server damit die naheliegende Wahl. Kommen die Besucher überwiegend aus den Benelux-Ländern, Großbritannien oder den USA, vergleichen Sie die Latenz mit Amsterdamer Standorten – in der Auswahl Webhosting in den Niederlanden.
Worauf Sie beim Tarif achten sollten
- Control Panel. Deutsche Anbieter nutzen oft eigene Oberflächen statt cPanel oder Plesk. Das ist kein Nachteil, aber schauen Sie sich vorher die Demo an: Einem selbst entwickelten Panel fehlen manchmal der gewohnte Dateimanager, ein CMS-Installer oder ein DNS-Editor.
- PHP, Datenbanken und SSH. Aktuelle PHP-Versionen mit Auswahl pro Website, MySQL oder MariaDB, SSH-Zugang, Cronjobs. In den kleinsten Tarifen ist SSH mitunter deaktiviert.
- SSL und Domains. Ein kostenloses Let's-Encrypt-Zertifikat sollte sich mit einem Klick ausstellen lassen. Viele deutsche Tarife enthalten eine .de-Domain – prüfen Sie den Preis für die Verlängerung.
- E-Mail. Deutsches Hosting wird oft zusammen mit E-Mail verkauft: Achten Sie auf Postfachgröße, Anzahl der Adressen und DKIM.
- Backups. Wo die Sicherungen liegen – im selben Rechenzentrum oder in einer anderen Stadt –, wie viele Tage sie aufbewahrt werden und ob Sie eine Datenbank selbst wiederherstellen können.
Wenn Shared Hosting nicht mehr reicht
Ein Shared Server ist gut, solange die Website in die Grenzen bei CPU und Arbeitsspeicher passt. Wird der Shop bei den Katalogfiltern langsam, brauchen Sie Queues, Redis, Node.js oder eine eigene Webserver-Konfiguration, wechseln Sie auf einen VPS in Deutschland: gleicher Standort, zugesicherte Ressourcen, aber Updates und Sicherheit des Servers übernehmen Sie selbst oder ein Administrator. Deutschland mit anderen Ländern der Region vergleichen können Sie auf der Seite Webhosting in Europa.