Macht NVMe Shared Hosting wirklich schneller?
Etwa ein Drittel der Webhosting-Tarife im Katalog nennt NVMe-Speicher: rund 2.400 Tarife von mehr als 500 Anbietern. Die günstigsten beginnen bei etwa 0,35 € im Monat, der Median liegt bei rund 6,30 € – sogar etwas unter dem Median des Gesamtmarkts. NVMe ist längst keine Premium-Option mehr, Aufpreis zahlen muss man dafür nicht. Wichtig ist aber zu verstehen, wie viel schneller eine Website auf einem geteilten Server dadurch tatsächlich wird.
NVMe, SATA-SSD und HDD: der Unterschied
- HDD – mechanische Festplatte mit Zugriffszeiten im Millisekundenbereich und ein paar hundert zufälligen Operationen pro Sekunde. Für das Hosting von Websites mit Datenbanken ist sie längst überholt und findet sich vor allem in Archiv- und sehr billigen Tarifen.
- SATA-SSD – Solid-State-Laufwerk an der älteren Schnittstelle. Sequenzielles Lesen ist auf etwa 550 MB/s begrenzt, zufällige Operationen erreichen einige zehntausend pro Sekunde. Für die meisten Websites reicht das.
- NVMe ist direkt am PCIe-Bus angebunden. Sequenzielles Lesen schafft mehrere Gigabyte pro Sekunde, zufällige Operationen Hunderttausende – und vor allem sind die Latenz niedriger und parallele Zugriffe besser.
Auf einem geteilten Server zählt diese letzte Eigenschaft mehr als Rekordwerte in Gigabyte pro Sekunde: Ein Laufwerk bedient Hunderte Websites gleichzeitig, und NVMe verkraftet diese Last, ohne dass sich Anfragen stauen.
Was eine Website wirklich schneller macht
Wie schnell eine Seite beim Webhosting ausgeliefert wird, hängt von mehreren Faktoren ab – und der Speicher ist nicht immer der wichtigste.
- PHP-Prozesse und CPU-Limit. Jede Anfrage an eine dynamische Seite belegt einen PHP-Prozess. Erlaubt der Tarif etwa 10 gleichzeitige Prozesse und einen Bruchteil eines Kerns, landen Anfragen bei Besucheransturm in der Warteschlange – da hilft auch NVMe nicht.
- Caching. Ein Seitencache (WordPress-Plugin, eingebauter CMS-Cache, LiteSpeed Cache auf LiteSpeed-Servern) liefert fertiges HTML aus, ohne PHP zu starten und die Datenbank abzufragen. Das bringt ein Vielfaches an Tempo, mit einem Speicherwechsel nicht zu vergleichen.
- OPcache und PHP-Version. Ein aktuelles PHP 8.x mit aktiviertem OPcache ist spürbar schneller als die alten 7.x-Versionen.
- Datenbank. Hier macht sich NVMe tatsächlich bemerkbar: Große Tabellen, langsame Abfragen ohne Index, Suche und Katalogfilter profitieren vom schnellen zufälligen Lesen.
- Überlastete Server. Packt ein Anbieter zu viele Accounts auf eine Maschine, rettet auch der schnellste Speicher die Performance nicht.
Fazit: NVMe beschleunigt Onlineshops, Foren, Websites mit großer Datenbank und CMS-Backends mit viel Lese- und Schreiblast deutlich. Bei einer Landingpage oder einem Blog mit gutem Cache ist der Unterschied zu SATA-SSD kaum zu merken.
So prüfen Sie, ob wirklich NVMe verbaut ist
Beim Webhosting haben Sie keinen Zugriff auf die Hardware, die Angabe des Anbieters lässt sich also nur indirekt überprüfen.
- Sehen Sie nach, ob Laufwerksmodell oder Serverkonfiguration in der Tarifbeschreibung oder Wissensdatenbank genannt werden. Seriöse Anbieter verschweigen solche Details nicht.
- Haben Sie SSH-Zugriff, führen Sie einen einfachen Schreib- und Lesetest mit dd oder – falls installiert – fio durch. Hunderte Megabyte pro Sekunde beim sequenziellen Schreiben sind ein gutes Zeichen, einstellige oder niedrige zweistellige Werte ein Grund, beim Support nachzufragen. Beachten Sie, dass Anbieter die Speichergeschwindigkeit pro Account begrenzen können (I/O-Limit) – der Test zeigt dann genau dieses Limit.
- Suchen Sie das I/O-Limit in der Tarifbeschreibung oder im Control Panel (bei CloudLinux im Bereich Ressourcen). Ein Limit von 1–2 MB/s macht jeden NVMe-Vorteil zunichte.
- Messen Sie die Serverantwortzeit (TTFB) einer Testseite mit Datenbankabfragen und vergleichen Sie zwei, drei Tarife im Testzeitraum. Anbieter mit kostenlosem Test finden Sie in der Auswahl Webhosting mit Testphase.
So messen Sie den Effekt eines Umzugs
Ziehen Sie eine bestehende Website von einem alten Tarif auf NVMe um, messen Sie die Geschwindigkeit vorher und nachher, statt sich auf das Gefühl zu verlassen. Vergleichen Sie die Serverantwortzeit (TTFB) derselben Seiten: Startseite, Katalog- oder Suchseite und Backend. Messen Sie mehrmals zu verschiedenen Tageszeiten und unbedingt mit deaktiviertem Seitencache – sonst messen Sie den Cache und nicht den Speicher. Sinkt die TTFB einer ungecachten Seite etwa von 800 auf 400 ms, hat sich der Umzug gelohnt. Ändert sie sich kaum, liegt der Engpass bei PHP, CPU oder den Datenbankabfragen, und dann sollten Sie die Website selbst optimieren.
Worauf Sie bei NVMe-Tarifen noch achten sollten
Der Median beim Speicherplatz liegt in dieser Auswahl bei 25 GB, etwas mehr als im Gesamtkatalog. Unbegrenzten Traffic bietet etwa die Hälfte der Tarife. Die günstigsten NVMe-Tarife haben nur 0,5–1 GB, achten Sie bei der Auswahl nach Preis also genau auf die Größe. Stößt Ihre Website bereits an die CPU- und Prozesslimits des Webhostings, löst ein NVMe-Tarif das Problem nicht: Dann ist ein VPS für WordPress oder ein anderer VPS mit dedizierten Ressourcen die bessere Wahl. Um weitere Merkmale zu vergleichen, kehren Sie zur Gesamttabelle Webhosting für Websites zurück.