VPS in China: was Sie vor der Miete eines Servers auf dem Festland wissen müssen
Einen Server in Festlandchina mietet man, wenn das Hauptpublikum des Projekts in China lebt und eine schnelle, stabile Website oder App braucht: ein Onlineshop für chinesische Käufer, ein Dienst für Handelspartner, ein Unternehmenssystem für ein Büro in China. Es ist der Hosting-Markt mit den meisten Formalitäten weltweit, deshalb geht es unten darum, was zu erledigen ist, bevor der Server öffentlich arbeiten kann.
Kontoregistrierung und ICP
Chinesische Clouds und Hoster müssen die Identität ihrer Kunden prüfen: Für ein Konto auf einer Festlandplattform ist eine Verifizierung mit Dokumenten nötig, bei lokalen Anbietern mit chinesischem Personalausweis oder Firmenregistrierung. Die internationalen Versionen großer Clouds registrieren Ausländer per Reisepass oder Firmendaten, doch auch dort ist die Prüfung strenger als in Europa.
Der zweite Schritt ist die ICP-Registrierung (备案). Damit eine Website mit eigener Domain auf den Ports 80 und 443 eines Servers in China erreichbar ist, muss die Domain über den Anbieter beim Ministerium für Industrie und Informationstechnologie registriert werden. Dafür braucht es eine chinesische juristische Person oder einen chinesischen Staatsbürger, für kommerzielle Websites mit Onlineverkauf zusätzlich eine kommerzielle ICP-Lizenz. Ohne Registrierung sperrt der Anbieter die Web-Ports für die Domain. Der Server lässt sich dann weiter für APIs auf Nicht-Standard-Ports, Unternehmenssysteme und Datenverarbeitung nutzen, für eine öffentliche Website ist die Registrierung aber Pflicht. Gibt es niemanden, auf den sie laufen kann, hostet man eine Website für chinesisches Publikum meist in Hongkong, wo keine ICP nötig ist.
Planen Sie Zeit ein: Die Prüfung eines ICP-Antrags dauert meist eine bis mehrere Wochen, die Domain muss bei einem in China akkreditierten Registrar mit bestätigten Inhaberdaten registriert sein, und die Registrierungsnummer gehört in den Footer der Website. Nach einem Umzug zu einem anderen Anbieter wird die Registrierung neu beantragt, den Standort sollte man also langfristig wählen. Für mobile Apps, die mit einem Server in China arbeiten, gibt es seit 2023 eine eigene App-Registrierung, die ebenfalls über den Anbieter und die App-Stores läuft.
Regionen und drei Netzbetreiber
Die Cloud-Regionen sind über das ganze Land verteilt: Peking, Shanghai, Hangzhou, Shenzhen und Guangzhou, Chengdu, Qingdao sowie große Standorte im Norden, in der Inneren Mongolei und der Provinz Hebei, wo Strom billiger und das Klima kühler ist. Wählen Sie die Region nah am Publikum: Norden, Osten und Süden des Landes unterscheiden sich in der Latenz um 20–40 ms.
Im chinesischen Internet gibt es drei große Netzbetreiber, und der Austausch zwischen ihnen ist historisch langsamer als innerhalb eines Netzes. Achten Sie daher darauf, ob das Rechenzentrum an alle drei gleichzeitig angebunden ist (in der Beschreibung heißt das meist BGP-Multiline). Ist der Server nur an einen Betreiber angeschlossen, bekommen Kunden der beiden anderen einige Dutzend Millisekunden zusätzlich.
Anbindung an Europa und die übrige Welt
Von Mitteleuropa nach Peking und Shanghai sind es bei guter Route meist 180–250 ms, von der US-Westküste etwa 130–180 ms; läuft der Traffic über Umwege, etwa über Hongkong, liegt die Latenz höher. Die internationalen Leitungen Chinas sind abends nach Pekinger Zeit oft überlastet, ein Server in China bedient also lokale Nutzer gut, eignet sich aber nicht für ein Publikum außerhalb des Landes.
Bedenken Sie auch, dass ein Teil der ausländischen Dienste vom chinesischen Festland aus nicht erreichbar ist. Für die Nutzer Ihres Servers bedeutet das: Hängen Website oder App von externen Schriften, Karten, Analytics, Login über ausländische Konten oder Zahlungsformularen ab, funktionieren diese Funktionen bei chinesischen Besuchern unter Umständen nicht. Prüfen Sie die Abhängigkeiten des Projekts vor dem Start und setzen Sie auf lokale Alternativen; chinesische Clouds haben eigene Paketspiegel für Linux, Docker und Programmiersprachen.
Datengesetze und Bezahlung
- Das Cybersicherheitsgesetz verpflichtet Betreiber, Protokolle aufzubewahren, mit der Aufsicht zusammenzuarbeiten und Inhalte zu überwachen, Betreiber kritischer Infrastruktur zusätzlich, Daten in China zu speichern.
- Das Gesetz zum Schutz persönlicher Informationen (PIPL) verlangt eine Einwilligung zur Verarbeitung und schränkt die Übermittlung von Daten chinesischer Nutzer ins Ausland ein: Für große Datenmengen sind eine Sicherheitsbewertung oder ein Standardvertrag nötig.
- Das Datensicherheitsgesetz führt eine Klassifizierung von Daten ein, für „wichtige Daten“ gelten eigene Ausfuhrregeln.
Die Inhaltsregeln sind streng, und Anbieter setzen Vorgaben der Aufsicht ohne Verzögerung um. Verarbeitet das Projekt Daten von EU-Bürgern, gilt zusätzlich die DSGVO: Für China gibt es keinen Angemessenheitsbeschluss, die Übermittlung braucht also Standardvertragsklauseln und eine Bewertung der Risiken im Zielland. Viele Unternehmen halten die europäische Hauptdatenbank deshalb in der EU und auf dem chinesischen Server nur, was lokale Nutzer brauchen.
Bezahlung: Internationale Clouds nehmen Kreditkarten, Unternehmen bekommen eine Rechnung mit Zahlung per Banküberweisung, einige Vermittler akzeptieren Kryptowährung als Zahlungsmittel. Lokale Zahlungs-Apps setzen ein chinesisches Konto voraus. Die Zahlungswege jedes Tarifs stehen in der Spalte „Zahlung“, die Preise sind in Ihre Währung umgerechnet. Brauchen Sie einen Standort nahe China ohne diese Formalitäten, vergleichen Sie auch Japan, Südkorea und die Übersicht VPS in Asien.