VPS in Brasilien: ein Server für Lateinamerika, nicht für Europa
Brasilien ist der größte Internetmarkt Südamerikas und der wichtigste Hosting-Standort der Region. Einen Server mietet man hier nicht, weil er günstig ist oder nah an Europa liegt, sondern aus einem einzigen Grund: um nah an den Nutzern in Brasilien und den Nachbarländern zu sein. Sitzt Ihr Publikum in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, ist ein brasilianischer VDS fast immer überflüssig.
São Paulo und das Netz der Region
Der Großteil der brasilianischen Rechenzentren steht in São Paulo und Umgebung. Hier arbeitet der Knoten IX.br – gemessen an der Spitzenlast einer der größten Internet-Austauschknoten der Welt, an den Tausende lokale Netzbetreiber angeschlossen sind. Das ist wichtig: Das brasilianische Internet ist stark zersplittert, neben den großen Telekommunikationskonzernen gibt es unzählige kleine regionale Provider, und gutes Peering in São Paulo bedeutet einen kurzen Weg zu den meisten von ihnen. Die Tarife in der Stadt finden Sie auf der Seite VPS in São Paulo.
Die Verbindung zu anderen Kontinenten läuft über Seekabel, von denen die meisten in Fortaleza im Nordosten des Landes anlanden. Von dort gibt es direkte Leitungen in die USA und seit einigen Jahren auch nach Portugal, ohne Umweg über Nordamerika. Nach Buenos Aires und Santiago ist es von São Paulo aus viel näher als von Miami, auch wenn ein spürbarer Teil des Traffics zwischen den Ländern der Region nach wie vor über die USA läuft. Deckt Ihr Projekt ganz Südamerika ab, vergleichen Sie die Optionen auf der Seite VPS in Lateinamerika.
Latenz aus Europa
Von Frankfurt nach São Paulo liegt der Ping meist bei etwa 180–220 ms, je nachdem, ob die Route über das direkte Kabel nach Portugal oder über die USA führt. Für den Fernzugriff auf ein Büronetz, einen Remote-Desktop oder Spiele mit europäischen Teilnehmern ist das zu viel. Ein brasilianischer Server lohnt sich, wenn:
- das Publikum in Brasilien sitzt – ein Onlineshop, ein Medienangebot oder ein SaaS auf Portugiesisch. Aus Europa verliert jeder Seitenaufruf bis zu zweihundert Millisekunden;
- ein Gameserver für brasilianische Spieler gebraucht wird: Sie reagieren empfindlich auf Ping und wandern massenhaft von Servern in Europa und den USA ab. Siehe dazu auch VPS für Gameserver;
- eine brasilianische IP nötig ist, um Werbung, regionale Suchergebnisse, lokale Preise und lokale Dienste zu prüfen;
- Integrationen mit brasilianischen Zahlungssystemen und APIs laufen sollen, die innerhalb des Landes schneller antworten.
Ist Ihr Publikum über beide Amerikas verteilt, kann Miami ein Kompromiss sein: Von dort ist es näher nach Nord- und Mittelamerika, nach Brasilien selbst aber weiter als von São Paulo.
LGPD, Marco Civil und lokale Regeln
In Brasilien gilt das Datenschutzgesetz LGPD, das der DSGVO in vielem ähnelt, mit einer eigenen Aufsichtsbehörde, der ANPD. Es greift, wenn Sie Daten von Personen verarbeiten, die sich in Brasilien aufhalten, unabhängig davon, wo der Server steht; eine Pflicht zur Datenspeicherung im Inland kennt das Gesetz nicht. Umgekehrt gilt für Daten von EU-Bürgern die DSGVO: Ein Angemessenheitsbeschluss der EU für Brasilien ist seit Längerem in Arbeit; prüfen Sie den aktuellen Stand, denn ohne ihn braucht eine Übermittlung dorthin Standardvertragsklauseln. Das zweite wichtige Gesetz ist der Marco Civil da Internet: Er verpflichtet Netzbetreiber und kommerzielle Onlinedienste, Verbindungs- und Zugriffsprotokolle für eine bestimmte Zeit aufzubewahren und auf Gerichtsbeschluss herauszugeben. Brasilianische Gerichte sind für harte Maßnahmen bekannt: In verschiedenen Jahren wurden auf ihre Anordnung große Messenger und soziale Netzwerke landesweit gesperrt.
Was Sie vor der Bestellung prüfen sollten
- Den tatsächlichen Standort. Die Auswahl enthält viele Tarife internationaler Anbieter, bei denen Brasilien eines von Dutzenden Ländern ist. Achten Sie bei der Bestellung darauf, dass wirklich das brasilianische Rechenzentrum ausgewählt ist und nicht der Standardknoten in den USA oder Europa.
- Den Ping aus Brasilien, nicht aus Europa. Ihre Nutzer sind dort, also schauen Sie ins Looking Glass des Anbieters und prüfen Sie die Latenz zu den großen brasilianischen Netzbetreibern und den Nachbarländern.
- Den DDoS-Schutz, besonders für einen Gameserver: In der Region werden Spieleprojekte oft angegriffen, und eine Grundfilterung ist wichtiger als ein zusätzliches Gigabyte Arbeitsspeicher.
- Die Supportzeiten. São Paulo liegt je nach Jahreszeit vier bis fünf Stunden hinter der mitteleuropäischen Zeit; der Arbeitstag dort beginnt, wenn bei Ihnen bereits Nachmittag ist.
Preise, Traffic und Bezahlung
Ein brasilianischer Server ist meist teurer als ein europäischer mit denselben Ressourcen: Hohe Einfuhrzölle auf Hardware und teurer Strom schlagen durch. Prüfen Sie bei Cloud-Tarifen gesondert den Preis für ausgehenden Traffic – in São Paulo liegt er oft über dem in Europa oder den USA und kann beim Ausliefern von Dateien die Kosten des Servers selbst übersteigen. Viele Cloud-Tarife werden stundenweise abgerechnet, was für Tests praktisch ist.
Lokale Anbieter arbeiten für den Inlandsmarkt: Website auf Portugiesisch, Preise in Real, bei der Registrierung wird mitunter die brasilianische Steuernummer CPF oder CNPJ verlangt. Internationale Anbieter mit brasilianischem Standort sind unkomplizierter und akzeptieren Kreditkarten, oft auch PayPal. Wer mit Kryptowährung zahlen möchte, findet die allgemeine Auswahl unter VPS mit Krypto-Zahlung; die Spalte „Zahlung“ in der Tabelle oben zeigt die Zahlungswege jedes Tarifs.