Ping und Geschwindigkeit eines VPS vor der Bezahlung prüfen
Die Angaben im Tarif verraten weder die Latenz zu Ihren Nutzern noch die tatsächliche Geschwindigkeit der Festplatte. Vieles lässt sich vor der Bezahlung messen, den Rest prüfen Sie in der ersten Stunde nach dem Start. Hier sind die Werkzeuge und die Deutung der Ergebnisse.
Zwei Anbieter mit identischen Tarifen in derselben Stadt können Ihren Nutzern einen unterschiedlichen Ping liefern, unterschiedlich schnelle Downloads und Festplatten, deren Leistung sich um ein Vielfaches unterscheidet. Die Tarifbeschreibung sagt dazu nichts, prüfen lässt es sich trotzdem. Das Netz kann fast immer vor der Bezahlung gemessen werden: Viele Anbieter veröffentlichen Testadressen und Looking-Glass-Seiten. CPU und Festplatte prüfen Sie in den ersten Minuten nach dem Start, und fällt das Ergebnis schwach aus, geben Sie den Server innerhalb der Testphase zurück oder löschen ihn bei Stundenabrechnung. Im Folgenden finden Sie die Reihenfolge der Tests und Richtwerte für die Auswertung.
Was sich vor der Bezahlung prüfen lässt
Anbieter, die von ihrem Netz überzeugt sind, stellen Werkzeuge zum Testen bereit. Suchen Sie im Footer der Website, im Bereich „Rechenzentren“ oder „Netzwerk“ oder in der Wissensdatenbank.
- Eine Test-IP-Adresse für jeden Standort. Sie können sie von Ihrem eigenen Rechner aus anpingen und eine Routenverfolgung starten, um die echte Latenz und den Weg aus Ihrem Netz zu sehen.
- Testdateien mit 100 MB, 1 GB oder mehr. Der Download zeigt, wie schnell ein Server an diesem Standort Daten zu Ihrem Provider liefert.
- Looking Glass: eine Webseite, auf der Sie ping oder traceroute ausführen oder die BGP-Route vom Router des Anbieters zu einer beliebigen Adresse abfragen können. Das ist der Blick von der anderen Seite: wie das Netz des Anbieters Ihr Büro oder Ihre Nutzer sieht.
Der Katalog von Accsly sammelt Testadressen und Looking-Glass-Links der Anbieter und zeigt sie an, sofern sie bekannt sind. Hat ein Anbieter keine solchen Werkzeuge, fragen Sie beim Support nach einer Test-IP; das dauert meist nur ein paar Minuten.
Ping, mtr und traceroute: Latenz messen
Messen Sie die Latenz dort, wo die Nutzer des Servers sitzen: aus dem Büro, von zu Hause und bei einem öffentlichen Dienst aus mehreren Städten. Ein Ping von einem Ort sagt nichts über einen anderen aus.
ping -c 50 adressezeigt die durchschnittliche Latenz und den Jitter. Achten Sie auf den Höchstwert und den Paketverlust, nicht nur auf den Durchschnitt: Stabile 40 ms sind besser als 25 ms mit Ausreißern bis 200.mtr -rwc 100 adresse(unter Windows WinMTR oderpathping) zeigt Latenz und Verluste an jedem Hop. Das ist das wichtigste Werkzeug, wenn Sie herausfinden müssen, wo genau Zeit verloren geht.tracerouteodertracertzeigt den Weg der Pakete. An den Hop-Namen erkennen Sie, durch welche Netze und Länder der Verkehr läuft: Manchmal wird ein Server im Nachbarland über eine Route am anderen Ende des Kontinents erreicht.
So lesen Sie mtr: Verluste an einem Zwischen-Hop bei null Verlust am Ziel sind meist kein Problem, denn viele Router beantworten Diagnoseanfragen schlicht nicht. Ein Warnsignal sind Verluste, die an einem Hop beginnen und sich bis zum Ende der Route fortsetzen, oder ein starker Latenzsprung auf einem bestimmten Abschnitt.
Richtwerte: innerhalb einer Stadt 1 bis 5 ms, innerhalb Deutschlands 5 bis 20 ms, Frankfurt nach Amsterdam unter 10 ms, Wien oder Zürich nach Frankfurt etwa 10 bis 15 ms, Westeuropa zur US-Ostküste 80 bis 100 ms, US-Ostküste zur Westküste 60 bis 80 ms, Europa nach Asien 150 ms und mehr. Für eine Website sind 30 bis 40 ms Unterschied kaum spürbar, für einen Gameserver, VoIP oder Remotedesktop sehr wohl.
Tests aus mehreren Städten
Verteilt sich das Publikum des Servers über ein Land oder mehrere Länder, reicht eine Messung aus dem Büro nicht aus. Kostenlose verteilte Messdienste wie Globalping und RIPE Atlas führen ping, traceroute und HTTP-Anfragen von Hunderten Messpunkten bei verschiedenen Providern aus. Sie zeigen, welche Nutzer einen langen Weg zum Rechenzentrum haben und wo Pakete verloren gehen. Das hilft besonders bei der Wahl zwischen zwei Standorten: Ein Server, der aus Hamburg 5 ms schneller ist, kann für Nutzer in Südeuropa oder Skandinavien spürbar langsamer sein. Für einen Dienst mit Nutzern in mehreren Regionen ist ein Standort mit gleichmäßiger Latenz für alle besser als der schnellste für eine einzelne Stadt.
Download-Geschwindigkeit und Testdateien
Laden Sie von jedem infrage kommenden Standort eine 100-MB-Testdatei herunter: curl -o /dev/null https://…/100mb.test zeigt die durchschnittliche Geschwindigkeit. Bedenken Sie, dass das Ergebnis vom langsamsten Glied begrenzt wird: Ihrem Heimanschluss, dem WLAN und der abendlichen Auslastung Ihres Providers. Vergleichen Sie Anbieter deshalb untereinander, vom selben Rechner und zur selben Zeit, nicht mit den Angaben im Tarif.
Bekannte Speedtest-Seiten messen die Verbindung zum nächstgelegenen Server, nicht zum Anbieter, und helfen bei der Wahl eines VPS daher wenig. Hat ein Anbieter keine Testdatei, muss dieser Test warten, bis der Server läuft.
Testphase, Rückerstattung und Stundenabrechnung
CPU und Festplatte lassen sich vor dem Start nicht messen, daher ist entscheidend, wie günstig Sie einen Server ausprobieren können.
- Eine kostenlose Testphase von einem Tag bis zu einer Woche mit dem Tarif oder einer abgespeckten Version. Manche Anbieter verlangen eine Verifizierung per Telefon oder Ausweis. Siehe VPS mit kostenloser Testphase.
- Eine Geld-zurück-Frist in den ersten Tagen. Lesen Sie die Bedingungen: Oft gilt die Erstattung nur für die erste Bestellung, schließt Lizenzen und zusätzliche IPs aus und erfolgt nur auf das ursprüngliche Zahlungsmittel.
- Stundenabrechnung. Der einfachste Weg, mehrere Anbieter zu vergleichen: Server starten, die Tests innerhalb einer Stunde durchführen und ihn wieder löschen, bezahlt wird nur die genutzte Zeit. Siehe VPS mit Stundenabrechnung.
Bei monatlicher Abrechnung ohne Testphase und Erstattung beginnen Sie mit der kürzesten Laufzeit, auch wenn die Jahreszahlung günstiger ist: Ein Jahresrabatt gleicht einen Server, der nicht passt, nicht aus.
Was Sie in der ersten Stunde nach dem Start messen
Prüfen Sie zuerst, ob Sie das Versprochene erhalten haben: lscpu zeigt CPU-Modell und Kernzahl, free -h den Arbeitsspeicher, lsblk und df -h die Festplatte. Danach folgen drei Tests.
Festplatte: fio. Für Datenbanken und Websites zählt wahlfreier Zugriff, nicht sequenzielles Schreiben. Ein typischer Test: fio --name=rand --rw=randrw --bs=4k --size=1G --iodepth=32 --direct=1 --runtime=60 --time_based. Richtwerte: Eine gute NVMe liefert bei 4-KB-Blöcken Zehntausende IOPS, eine SATA-SSD einige Tausend bis niedrige Zehntausende, eine HDD einige Hundert. Liefert ein „NVMe“-Tarif nur ein paar Tausend IOPS, ist die Festplatte stark gedrosselt oder durch Nachbarn überlastet.
CPU: sysbench oder Geekbench. sysbench cpu --threads=1 run und derselbe Test auf allen Kernen zeigen die Leistung eines Threads und des ganzen Servers. Geekbench ist praktisch, weil sich das Ergebnis mit der öffentlichen Datenbank vergleichen lässt. Wiederholen Sie den Test mehrmals zu verschiedenen Tageszeiten: Schwanken die Ergebnisse stark, sind die Kerne geteilt und von Nachbarn ausgelastet.
Netz: iperf3. Ein Test zwischen zwei eigenen Servern oder zu einem öffentlichen iperf3-Server zeigt die echte Portkapazität: iperf3 -c adresse -P 4 -t 30, dazu -R für die Gegenrichtung. An einem Gigabit-Port sind 800 bis 940 Mbit/s zu erwarten; kommen nur 100 bis 200 an, ist der Port begrenzt oder geteilt.
Soll der Server E-Mails versenden, prüfen Sie außerdem, ob die zugewiesene IP-Adresse auf Spam-Blocklisten steht und ob die Latenz vom Server zu Ihren Nutzern Ihren Messungen vor der Bezahlung entspricht.
Häufige Fehler beim Testen
- Messen über WLAN. Ein Funknetz fügt Latenz und Verluste hinzu, die beim Anbieter gar nicht entstehen. Messen Sie per Kabel.
- Eine einzige Messung zur Mittagszeit. Netze und Nachbarn auf dem Host verhalten sich morgens und abends unterschiedlich, ein einzelner Durchlauf kann täuschen.
- Festplattentest mit Cache. Ohne
--direct=1misst fio den Arbeitsspeicher statt der Festplatte, und das Ergebnis ist um ein Vielfaches zu hoch. - Ein zu kurzer Test. Manche Tarife sind in den ersten Minuten schnell und drosseln danach Festplatte oder CPU. Lassen Sie Tests mindestens eine Minute laufen.
Ergebnisse vergleichen
| Test | Normales Ergebnis | Warnsignal |
|---|---|---|
| ping, mtr | Stabile Latenz, kein Verlust am Ziel | Verluste ab 1 % und Latenzspitzen um ein Mehrfaches |
| fio, 4 KB zufällig | Zehntausende IOPS auf NVMe | Einige Tausend IOPS auf „NVMe“ |
| sysbench, Geekbench | Wiederholte Läufe weichen um wenige Prozent ab | Streuung von mehreren Zehn Prozent |
| iperf3, 1-Gbit/s-Port | 800 bis 940 Mbit/s in beide Richtungen | 100 bis 200 Mbit/s oder starke Asymmetrie |
- Vergleichen Sie Anbieter mit denselben Tests, von denselben Messpunkten und zur selben Tageszeit.
- Wiederholen Sie die Messungen am Abend: Überlastete Hosts und Leitungen zeigen sich zu Spitzenzeiten.
- Achten Sie auf Beständigkeit, nicht auf den Bestwert: Die Streuung sagt mehr über Überbuchung aus als der Durchschnitt.
- Notieren Sie die Ergebnisse in einer Tabelle; einen Monat später helfen sie, wenn der Server langsamer wird.
- Bewerten Sie nach Ihrer Aufgabe: Für eine Website zählen Festplatte und Latenz zum Publikum, für Code-Builds die CPU, für Dateiablagen der Port.
Welche Tarifparameter Sie vor dem Testen prüfen sollten, erklärt der Ratgeber VPS auswählen. Tarife mit Testphase, Stundenabrechnung und passendem Standort filtern Sie in der VPS-Suche.