So betreiben Sie einen eigenen Mailserver auf einem VPS
Eigene E-Mail auf einem VPS bedeutet Postfächer unter Ihrer eigenen Domain ohne Gebühren pro Nutzer, volle Kontrolle über Ihre Nachrichten und die Möglichkeit, Newsletter und Benachrichtigungen aus Ihren Anwendungen zu versenden. Im Gegenzug müssen Sie sich mit DNS-Einträgen befassen und auf die Reputation Ihrer Adresse achten: E-Mail-Dienste prüfen streng, wer Nachrichten verschickt.
Die wichtigste Voraussetzung: offener Port 25
Mailserver übertragen Nachrichten untereinander per SMTP über Port 25. Viele Anbieter sperren den ausgehenden Port 25 standardmäßig, damit aus ihren Netzen kein Spam verschickt wird. Ohne ihn kann Ihr Server E-Mails empfangen, aber nicht versenden. Deshalb enthält diese Auswahl nur Tarife von Anbietern, bei denen der Port offen ist oder auf Anfrage beim Support freigeschaltet wird. Selbst wenn er anfangs gesperrt ist, genügt meist eine Nachricht an den Support mit dem Hinweis, dass Sie E-Mail für Ihre eigene Domain einrichten.
Welche Software?
- Mailcow – ein fertiges Paket in Docker: Postfix, Dovecot, Webmail SOGo, Spamfilter Rspamd und ein komfortables Panel. Braucht ab 4 GB Arbeitsspeicher und 2 Kerne, am einfachsten einzurichten.
- Mail-in-a-Box und iRedMail – „All-in-one“-Installer, die Server und DNS Schritt für Schritt einrichten. Laufen ab 1–2 GB Arbeitsspeicher.
- Postfix + Dovecot von Hand – minimaler Ressourcenbedarf (1 GB genügt), aber mehr Handarbeit bei der Konfiguration.
Wenn auf dem Server Docker mit Mailcow und dem Virenscanner ClamAV laufen soll, nehmen Sie ab 4 GB RAM: ClamAV allein belegt etwa ein Gigabyte.
DNS: Ohne diese Einträge landen Mails im Spam
- PTR (Reverse-Eintrag) – die IP des Servers muss auf den Namen Ihres Mailhosts zeigen, zum Beispiel
mail.example.com. Diesen Eintrag setzt der Anbieter im Panel oder auf Anfrage – prüfen Sie, ob das möglich ist. - SPF – ein TXT-Eintrag mit der Liste der Server, die im Namen Ihrer Domain E-Mails versenden dürfen.
- DKIM – eine digitale Signatur der Nachrichten; den Schlüssel erzeugt der Mailserver, den öffentlichen Teil hinterlegen Sie im DNS.
- DMARC – eine Regel, was mit Nachrichten geschehen soll, die die Prüfung nicht bestehen; beginnen Sie mit dem Modus
p=noneund Berichten.
IP-Reputation
Prüfen Sie vor dem Start, ob die IP des Servers auf Blacklists steht (Spamhaus, Barracuda und andere) – die Adresse könnte von einem Vorbesitzer stammen, der Spam verschickt hat. Steht sie auf einer Liste, bitten Sie den Anbieter um eine andere. Beginnen Sie mit kleinen Mengen: Eine neue Adresse wird über Wochen „aufgewärmt“, und ein plötzlicher Massenversand landet fast sicher im Spam. Für große Mailings nutzen Sie besser einen separaten Dienst und behalten den eigenen Server für geschäftliche E-Mails und Benachrichtigungen.
Speicher und Backups
Postfächer wachsen über Jahre: Planen Sie für ein kleines Team ab 20–40 GB ein und behalten Sie die Quotas im Blick. Backups der Nachrichten und der DKIM-Schlüssel bewahren Sie außerhalb des Servers auf, etwa auf einem separaten VPS für Backups.